2013 China – Chengdu

Auf Einladung der ZfA Fachberaterin Mechthild Spiegel reisten wir im Herbst 2013 nach Chengdu, um einen Theaterworkshop durchzuführen. Hier der Bericht der begleitenden Kulturfreiwilligen Miki Feller.

Vom Wort zur Theateraufführung

Chengdu. Nach einem gerade mal dreitägigen Theaterworkshop gelang es 19 chinesischen Schülern ein eigens auf Deutsch verfasstes Stück auf die Bühne zu bringen. Die Kulisse für das ZfA-Projekt bot die Experimentalfremdsprachenschule West Campus in Chengdu, wo das Stück am Samstag, dem 5. Oktober, präsentiert wurde. Auch der Generalkonsul Herr Dr. Amelung ließ sich dies nicht entgehen: „Ich bin beeindruckt. In so kurzer Zeit so ein Projekt umzusetzen – und das auf Deutsch!“.

Hintergrund der Aktion war der Wettbewerb „Mein schönstes deutsches Wort“, welcher anlässlich des Deutsch-Chinesischen Sprachenjahres 2013 ausgeschrieben wurde. Die 13 – bis 18jährigen Gewinner konnten mit einer Stellungnahme zu ihrem Lieblingswort überzeugen und wurden nach Chengdu eingeladen. Sie stammen aus zehn verschiedenen Städten Chinas und kommen von insgesamt 19 Schulen. „Unsere Absicht war, die PASCH-Schulen untereinander zu verknüpfen“, erklärt Mechthild Spiegel, ZfA-Fachberaterin und Leiterin des Projekts. Die Idee traf beim Auswärtigen Amt schnell auf Zuspruch, so dass es die Förderung zusagte.

Unter der Leitung des deutschen Schauspielteams „Die Mimosen“ verbrachten die Jugendlichen den Großteil der Goldenen Woche also mit Kreativarbeit: Ihre 19 Worte sollten die Grundlage dafür bilden und aus ihnen ist während des Aufenthaltes das etwa 30 minütige Theaterstück kreiert worden.

Zuerst wurde die schüchtern scheinende Gruppe spielerisch an die Grundlagen des Theaterspielens geführt, um sich dann schon am Ende des ersten Tages an den Anfang einer Geschichte heranzutasten. Dieser wurde im nächsten Schritt dargestellt, gab weitere Denkanstöße, bildete einen roten Faden. „Trotz der großen Altersspanne findet sich die Gruppe zusammen“, reflektiert Stefanie Siebers. Zusammen mit Kai Meister ist es ihre Aufgabe, die Fantasie der Schüler anzuregen, deren gegenseitige Beobachtungen zu schärfen und durch stete Ermutigungen aus sich herauszulocken. Schon zum fünften Mal arbeiteten sie in China mit einer deutschsprachigen Schülergruppe.

Allen macht das Theaterspielen viel Freude: „Steffi und Kai sind so humorvoll und lustig“, findet nicht nur Wang Gengda (13, Fremdsprachenschule Suzhou). „Es war ganz toll. Ich liebe die Tage hier!“ Freude war zwar die oberste Priorität des Workshops, doch oder gerade deshalb konnten die Schüler einiges dazu lernen, z. B. „wie man ein Theaterstück erfindet“, so Tao Xiaoyu (16, Fremdsprachenschule Jinan). Theater war für die meisten ein bisher unbekanntes Terrain.

Darüber hinaus berichten einige, sie hätten nicht nur Neues erleben, sondern auch Altes auffrischen können. „Das war eine gute Chance, viele Deutschschüler zu treffen. Mein Deutsch hat sich sehr verbessert.“, freut sich der 17-jährige Lei Zhao von der Mittelschule Xi‘An. Dasselbe denkt die gleichaltrige Zhu Kaiyi (Mittelschule Nr. 9 Qingdao), die die Gruppenarbeit vor Ort als produktiv und hilfreich erlebte. „Und jetzt weiß ich auch ganz genau, wie gut Deutschlernen ist. Danke!“

Was das für besondere Ausdrücke sein sollen, aus denen sich so schnell eine Aufführung ergab? Das können interessierte Leserinnen und Leser im kommenden Jahr in einem bebilderten Print- und einem Online-Kalender erfahren.

So war das Theaterprojekt „Vom Wort zur Theateraufführung“ trotz manch neu aufkommender Herausforderung ein großer Erfolg. Die Schüler lieferten ein abwechslungsreiches Stück, in dem jeder zu Wort gekommen ist. Der 15-jährige Jian Yixuan (Experimentalfremdsprachenschule West Campus Chengdu) fasst zusammen: „Es war echt cool. Ich habe 18 neue Wörter und viele neue Freunde kennengelernt!“

Miki Feller (Kulturweit-Freiwillige, Chengdu), 7.10.2013